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Rasthof Uhrsleben eröffnet Parc fermé

Am 14.09.2007 wurde der erste Sicherheitsparkplatz an einer deutschen Autobahn eröffnet: Der Rasthof Uhrsleben in Sachsen-Anhalt an der A2 / Ausfahrt 65 investiert 360.000 Euro und bietet ab sofort im Rahmen des europäischen SETPOS-Projektes 50 Stellplätze für Lkw, die wertvolle und damit zu sichernde Fracht transportieren. Grund für das europäische Projekt ist die zunehmende Zahl von Überfällen und Diebstählen. 90.000 Lkw sind jährlich europaweit das Ziel von Straftaten.

Parc Ferme

Uhrsleben, 14.09.2007.Die Überfälle auf Lastkraftwagen nehmen in der EU seit Jahren zu. Meistens handelt es sich dabei um Einbruchsdiebstähle. Immer häufiger werden Lkw auch komplett gestohlen. Auch bei Raub­überfällen, bei denen Fahrer mit der Waffe bedroht oder vorübergehend entführt werden, ist die Tendenz steigend. Meist stehen organisierte Banden hinter den Verbrechen. Dabei findet jüngsten Studien zufolge jeder dritte Angriff im grenz­überschreitenden Güterkraftverkehr auf einem Rastplatz statt. Spitzenreiter der Länder mit hohem Gefahrenpotenzial sind Belgien, die Niederlande, Frankreich – leider aber auch Deutschland, denn die hohe Transitdichte hat Einfluss auf die Zahl der Diebstähle. Jährlich summiert sich der daraus entstandene wirtschaftliche Schaden auf rund 8,25 Milliarden Euro – die Dunkelziffer liegt vermutlich sogar noch höher.

Das bereitet dem Transport- und Logistikgewerbe, der Polizei und der Versicherungswirtschaft aber auch der EU-Kommission zunehmend Sorge.

Um dieser Negativentwicklung entgegen zu wirken, sollen nun europaweit gesicherte Lkw-Parkplätze entstehen. So will die EU ihren Beitrag dazu leisten, die Arbeitsbedingungen zu verbessern und Lkw-Fahrern einen erhöhten Schutz vor Ladungsdiebstählen und Raub­überfällen zu bieten.

Das dazu ins Leben gerufene Projekt SETPOS (Secure European Truck Parking Operational Services) sieht vor, in naher Zukunft auf Rasthöfen in Frankreich (Valenciennes), Großbritannien (Ashford), Belgien (Lüttich) sowie in Deutschland (Uhrsleben und Wörnitz) speziell gesicherte Parkplätze einzurichten bzw. aufzurüsten. Langfristig sollen europaweit 50 Sicherheitsparkplätze geschaffen werden.

Vorreiter in Deutschland ist der Rasthof Uhrsleben, der den so genannten „Parc fermé“ eröffnet hat. „Auf sichere Parkplätze haben Fuhrunternehmer, Disponenten und Fahrer in ganz Europa schon seit langem gewartet“ berichtet der Autohof-Betreiber Fritz-Joachim Schneidewindt-Brennecke. „Mancher Fahrer transportiert Frachten mit Millionenwerten und ist auf dem Transportweg nicht selten auf sich allein gestellt.“ 52 Stellplätze wurden im Parc fermé geschaffen. Zahlreiche Gespräche mit Transportunternehmern und Fahrern, die das Fehlen solcher Sicherheitsparkplätze bemängelten, beeinflussten die Entscheidung zum Bau dieses „Sicherheitstraktes“ an der A2. „Viele Lkw-Raststätten schätzen sich selbst als sicher ein, aber Fahrer und Spediteur hatten bisher keine Möglichkeit, sich zu vergewissern, ob dieses auch wirklich der Fall ist.“ so Schneidewindt. „Das SETPOS-Projekt wird einen einheitlichen Sicherheitsstandard in ganz Europa entwickeln, auf das sich das Transportgewerbe dann auch verlassen kann. “

25 Euro kostet die Gebühr für einen gesicherten Stellplatz pro 24 Stunden. Hält sich der Fahrer nur kurze Zeit auf dem Rasthof auf, werden pro Stunde 3,50 Euro abgerechnet. Dieses gilt bis zu einem Aufenthalt von 7 Stunden, danach wird die 24-Stunden-Pauschale eingesetzt. Die Parkplatzgebühren zahlen die Spediteure gern – schließlich gewähren Versicherungen bessere Konditionen, wenn die Fahrzeuge sicher und gut bewacht abgestellt werden.

Disponenten und Fahrer haben die Möglichkeit, Stellplätze im Parc fermé schriftlich per Fax oder per E-Mail vorab reservieren zu lassen. Diese Reservierungen kommen gleich beim zuständigen Sicherheitspersonal an:

Fax. 03 90 52/74 90

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Das Areal wird von einem 3,20 Meter hohen Stahlzaun mit abschließendem Stacheldraht umgeben. 16 Videokameras bewachen die Stellplätze rund um die Uhr. Vor Einfahrt in den Parc fermé findet erst eine Kontrolle durch das Sicherheitspersonal statt. Fahrer und Beifahrer werden fotografiert, Personalausweis oder Pass gescannt, der Frachtraum wird zum Schutz der Ladung verplombt und der Zustand des Fahrzeuges wird auf einem Protokoll dokumentiert. Der Fahrer erhält eine Chipkarte, mit der er den Parkplatz verlassen und wieder betreten kann. Diese Vorgänge – Betreten und Verlassen des Parkplatzes – werden durch die Chipkarte registriert. Will der Fahrer die Fahrt weiter aufnehmen, so kann er den Parkplatz nur nach nochmaliger gemeinsamer Kontrolle mit dem Sicherheitspersonal verlassen. Der Wachmann und der Fahrer nehmen dann gemeinsam den Lkw in Augenschein und schauen, ob das Fahrzeug im gleichen Zustand ist wie bei der Einfahrt auf den Parkplatz. Die Chipkarte händigt der Fahrer dem Sicherheitspersonal wieder aus. „So wollen wir dem Diebstahl von Ladung, Diesel oder sogar des gesamten Lkws vorbeugend entgegen wirken“ erklärt Schneidewindt.

Neben dem Sicherheitsaspekt gab es für Schneidewindt aber noch eine weitere Begründung zur Einrichtung des Parc fermé. „Als mittelständischer Betrieb in der Unterwegsversorgung, der mittlerweile 58 Arbeitsplätze bietet, stehen wir neuen Ideen und Konzepten stets aufgeschlossen und offen gegenüber. Für die Umsetzung des SETPOS-Projektes haben wir eine Menge investieren müssen. Aber wir sind sehr zuversichtlich, diese Gelder richtig eingesetzt zu haben. Vor zwei Wochen kam ein holländischer Fahrer auf den Hof und fragte, wann wir denn nun endlich unseren Parc fermé eröffnen und er wieder einmal eine Nacht ruhig schlafen kann. Mittelfristig planen wir noch ein kleines Hotel, eine Waschanlage, eine Lkw-Werkstatt sowie eine Tankstelle für Biokraftstoffe.“
 
 
Fernfahrer Magazin