Gerhard Walcher und Stefan Niemz bestreiten zum zweiten Mal gemeinsam die Rallye Dakar auf einem Mercedes Unimog U 500. Mit 500 Kilogramm Ersatzteilen an Bord hoffen sie, unbeschadet ans Ziel zu kommen. DAKAR EXTRA hat die beiden auf 8.000 Kilometern und durch sechs Länder begleitet.
Noch ist er gelassen. Obwohl er bis zur letzten Sekunde arbeitet. „Man hat kaum Zeit, sich zu freuen.“ Am 1. Januar schließlich geht’s los. Gerhard Walcher nimmt zum dritten Mal auf einem Lkw an der Rallye Dakar teil – der härtesten Wüstenrallye der Welt. Er ist Privatier. Das heißt, kein Team und keine Sponsoren. Das macht die Sache noch härter. „Was wir tagsüber kaputt fahren, müssen wir eigenhändig nachts reparieren“, erzählt er. Im vergangenen Jahr sind Walcher und sein Copilot Stefan Niemz bereits nach der fünften Etappe rausgeflogen. Dieses Mal hatten die beiden mehr Glück und erreichen nach 13 harten Etappen das Ziel in Dakar. Sie legen 8.000 harte Kilometer durch Stein- und Sandwüsten sowie Steppen zurück. Ein paar kleine technische Veränderungen gegenüber dem Vorjahr gibt es am Fahrzeug, denn die Fédération Internationale de l’Automobile (FIA) – die die Fahrzeuge technisch abnimmt – hat vor der Rallye 2006 eine kleine Mängelliste aufgesetzt. „Der Luftfilter etwa war im Aufbau untergebracht. Das darf laut FIA-Reglement nicht sein“, erläutert er. Zudem sei der Aufbau 40 Zentimeter zu kurz gewesen und musste verlängert werden. „Wieso, das kapiert kein Mensch“, wundert sich Walcher, der in Deizisau bei Esslingen ein Fahrradgeschäft betreibt. Mit Fahrradfahren – das liegt nahe – hält sich der 49-Jährige denn auch fit. „Man muss trainiert sein“, sagt er, sonst halte man nicht durch. Denn viel Schlaf gibt es unterwegs nicht. „Die Profis haben die schnelleren Fahrzeuge, sind routinierter und wenn sie im Fahrerlager ankommen, steht der Physio da und knetet sie durch.“ Während Walcher und Niemz schrauben. „Deshalb ist die Partnerwahl immens wichtig“, erläutert er. Man müsse wissen, wie der andere reagiert, wenn man kaum Schlaf bekommt, sich drei Wochen in einem Vier-Quadratmeter-Fahrerhaus aufhält sowie elementare Dinge wie Toilette und Dusche fehlen. Den richtigen Partner hat Walcher in Niemz gefunden. „Er ist immer gut drauf“, charakterisiert er ihn. Daneben haben sich die beiden drei goldene Regeln für die Rallye auferlegt.

Vordergründig ist dabei der Spaß. „Außerdem geben wir alles, kämpfen bis aufs Zahnfleisch und machen uns keine Vorwürfe bei Fehlern“, erzählt Walcher. Im Gepäck haben sie rund 500 Kilogramm Ersatzteile und Werkzeuge. „Im Prinzip braucht man nur einen großen Hammer“, scherzt Walcher, der vor etlichen Jahren eine Kfz-Mechaniker- Ausbildung absolviert hat. Niemz ist Kfz-Meister mit eigener Werkstatt und der Schrauberspezialist im Team. Trotz des vermeintlichen Luxus, den die Profis genießen, ist Walcher aber froh, sein eigener Herr zu sein. „Ich bin mein Sponsor und muss mich vor niemandem rechtfertigen“, erklärt er. Ein bisschen Bammel hat er vor Marokko. Das steinige Gelände sei fürs Fahrwerk mörderisch. Dort passiert dann auch, was den beiden die Chance auf eine gute Platzierung nimmt. Sie erleiden auf der sechsten Etappe einen Schaden am Kompressor. Gute-Laune-Niemz ist zuversichtlich, den Lkw wieder zum Laufen zu bringen. Was trotz Sandsturm gelingt. Doch dann kommt der Schock: Auf Grund der technischen Probleme hat Startnummer 525 unterwegs einen Kontrollpunkt ausgelassen. Das teilt die Rennleitung dem Team abends mit und verhängt 50 Stunden Strafzeit. „Wir hätten dann täglich fünf Stunden schneller fahren müssen als alle anderen“, erzählt Walcher. Keine Chance, die Zeit wieder aufzuholen. Zudem mussten sie immer wieder anhalten. „Der Lkw hat ziemlich viel Öl geschluckt“, berichtet Walcher. Die Rallye soll aber vor allem Spaß machen. „Es ist einfach klasse, hier zu sein“, freuen sie sich in Dakar, nachdem sie kurz vor der Ziellinie erneut in Wallung kommen. „Nach einer Kurve ließen sich die Gänge nicht mehr einlegen, der Druck fiel rapide ab – als wenn uns jemand mit aller Macht von unserem Zieleinlauf abhalten wollte“, erzählt der Unimog-Pilot. Der U 500 selbst wollte dann auch wirklich nicht mehr und musste bis zur Fähre geschleppt werden. Zurück zu Hause bereiten Walcher und Niemz gelassen die nächste Rallye vor.
