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Ärztliche Versorgung von Fernfahrern

Doc Stop

Arzt im Koffer

Mit 40 Grad Fieber am Lenkrad oder mit 40 Tonnen den Arzt in der Innenstadt aufsuchen. Beides kein Vergnügen, Abhilfe soll der Doc Stop schaffen.

Zwischen Hamburg und Sizilien muss ein Fernfahrer doch mal irgendwo zum Arzt gehen können“, sagt Dr. Dieter-Lebrecht Koch beim Projektstart zum Thema „Krank auf Achse“ auf dem Eisenacher Autohof. Der EU-Parlamentarier aus Thüringen ist nach einem Schlüsselerlebnis auf die Welt der Lkw-Fahrer aufmerksam geworden. „Ich hatte eine Autopanne und plötzlich hielt ein Sattelzug und der Fahrer hat sich einfach so daran gemacht, mir aus der Patsche zu helfen“, erzählt er. Seine Retourkutsche soll dabei allen Fernfahrern Europas zugute kommen. Sein Ziel ist es, auf möglichst vielen europäischen Autohöfen das Doc-Stop-Logo anzubringen.

Es steht für eine besonders gute ärztliche Versorgung für Fernfahrer. Beispielsweise könnte dort künftig ein Container stehen, der schichtweise von umliegenden Ärzten besetzt ist. Wo dies nicht möglich ist, soll ein spezieller Taxishuttle kranke Fahrer zur nächsten Praxis bringen. „Das ist allemal besser, als mit einem 40-Tonner in der Innenstadt auf Parkplatzsuche zu gehen“, erklärt Rainer Bernickel. Als Mitinitator des Projektes kümmert sich der Ex-Polizist nun auch im „Unruhestand“ um seine Freunde von der fahrenden Zunft. Wenn möglich, kooperiert Doc Stop mit Ärzten, die ihre Praxen bis maximal vier Kilometer vom Autohof entfernt führen.

Doc Stop

Außer dem Transport dorthin stellen manche Autohöfe auch ein spezielles Behandlungszimmer zur Verfügung, wohin der nächstgelegene Mediziner dann „Hausbesuche“ machen kann. Voraussetzung für die Behandlung ist eine Krankenversicherung, die europaweit die Behandlungskosten trägt, wie bei jedem Touristen im Urlaub. Schon vor dem Start des Projektes haben sich zahlreiche Ärzte in Autobahnnähe zur Mitarbeit bereit erklärt, inklusive dem Versprechen, spontan hereinschneiende Fernfahrer bevorzugt zu behandeln, damit sie fitgemacht werden, um schnell wieder auf der Piste zu sein. Lange Wartezeiten sollen erst gar nicht aufkommen. Veda-Vorstand Karl-Heinz Schneider vom Autohof Herbolzheim ist begeistert von der Idee und will sie schnell in seinem Verband umsetzen. Er sieht seine wichtigsten Kunden tagtäglich und weiß daher die bisherige Unterversorgung einzuschätzen. „Für uns ist das auch ein Beitrag zur Verkehrssicherheit“, sagt er, „und deshalb machen wir mit.“ Nach einer Umfrage unter 800 Kollegen auf Fernfahrerstammtischen, fühlten sich 85 Prozent nur sehr unzureichend medizinisch versorgt. Dementsprechend positiv fallen die Kommentare der Fahrer aus, die beim Startschuss in Eisenach den gelben Container in Augenschein nehmen. Mario Hoffmann aus Ohrdruf sieht die Grenze bei etwa 40 Grad Fieber: „Darüber bist du mehr als nur eingeschränkt fahrtauglich, da kannst du nicht mehr weiter. Und dann ist natürlich gut, wenn ein Arzt für uns mit dem Lkw erreichbar ist. Heimwärts beißt man vielleicht, wenn es irgendwie geht, die Zähne zusammen, aber unterwegs?“ Die Fahrer haben meist zuerst ihre Termine, ihre Ware und ihre Fahrzeiten im Kopf und dann hinterher ihren eigenen Gesundheitszustand. „Erst wenn es nicht mehr anders geht, reagiert man“, bestätigt Jens Wornest aus Gotha. „Letzte Woche hatteich plötzlich derartige Kopfschmerzen, dass an Weiterfahren tatsächlich nicht mehr zu denken war. Ich habe mich dann halt zwei Stunden hingelegt und als es etwas besser wurde, ging’s eben weiter.“ Mario ergänzt: „Ja und manche hauen sich dann halt irgendwelche Medikamente rein, ohne groß über etwaige Nebenwirkungen nachzudenken. Auch hier wären kompetente Ärzte, die sich auf unsere Belange einstellen, eine gute Sache.“ Dem stimmt auch Andreas Rathmann zu. Er sieht vor allem eine Gefahr im Verschleppen von Krankheiten: „Wenn ich spüre, dass etwas nicht stimmt, würde ich viel eher mal zum Arzt gehen, wenn das auf Tour nicht immer so ein Umstand wäre.“ Gerade Wirbelsäulen-Probleme sieht er als typisches Beispiel. Üble Geschichten wie Bandscheibenvorfälle kündigen sich lange an, und wenn es dann soweit ist, geht nichts mehr. „Bei uns sind die Touren zum Glück nicht so lang und ich habe eigentlich genug Gelegenheiten zum Arzt zu gehen.“ Das dies eher die Ausnahme ist, weiß auch Hubert Linssen. Als Abgesandter der IRU, der International Road Transport Union, will er das Doc-Stop-Projekt nach Kräften unterstützen und über den Verband europaweit bekannt machen. Als nächster Schritt folgt nun die Einrichtung einer Hotline, über die sich kranke Fahrer über den am Weg nächstgelegenen Doc Stop informieren können. FERNFAHRER wird die Nummer, sobald sie freigeschaltet ist, veröffentlichen.

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