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Löw und Schneider: Noch vage EM-Hoffnungen

27.04.2008, 12:44:06

Berlin (dpa) - Trotz einer Operation an der Halswirbelsäule will Fußball-Nationalspieler Bernd Schneider seine EM-Teilnahme noch nicht endgültig abschreiben - und auch Bundestrainer Joachim Löw hofft auf eine Blitzheilung des Leverkuseners.

«Man muss jetzt mal die nächsten zwei, drei Tage abwarten, davon hängt viel ab. Danach gibt es eine Untersuchung und man kann mehr sagen», sagte Löw der Deutschen Presse-Agentur dpa. Nationalmannschaftsarzt Hans-Wilhelm Müller-Wohlfahrt hatte beim 34 Jahre alten Schneider einen Bandscheibenvorfall diagnostiziert, der einen sofortigen operativen Eingriff in Hannover unausweichlich machte. Schneiders Arbeitgeber Bayer 04 hatte die Wiederaufnahme des Trainingsbetriebes für «frühestens Mitte Juli» angekündigt - demnach würde die Europameisterschaft ohne den Routinier stattfinden.

Schneider und Löw wollten sich am Wochenende jedoch noch nicht mit einem Ausfall anfreunden. «Die Operation ist gut verlaufen. Die Genesung kann schneller gehen, als viele denken», erklärte Schneider in der «Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung». In der «Bild am Sonntag» ergänzte er: «Ich gebe die Hoffnung nicht auf. Klar, die Ärzte haben das letzte Wort.» Vielleicht sei ein Bandscheibenvorfall am Halswirbel nicht so schlimm wie einer unten am Rücken. Schneider hatte sich schon die ganze Saison mit verschiedenen Verletzungen und Blessuren geplagt, war nie richtig in Form gekommen. Trotzdem stellte Löw dem Mittelfeldmann wie auch dem langzeitverletzten Christoph Metzelder einen Freifahrtschein zur EM-Endrunde aus.

Die Hoffnungen auf ein überraschend schnelles Comeback des 81-maligen Nationalspielers aber scheinen nur sehr vage. Schwere Bandscheiben-Verletzungen ziehen in der Regel längere Pausen nach sich. Als jüngstes Beispiel kehrte der Bulgare Dimitar Rangelow bei Energie Cottbus zwei Monate nach einer Bandscheiben-OP in den Spielbetrieb zurück. «Die Hoffnung stirbt zuletzt», bemerkte Schneider selbst. Das EM-Aus könnte zugleich seine Auswahl-Karriere nach neun Jahren beenden. Über die erneute Verletzung bei Torsten Frings, der das 3:3 der Bremer in Karlsruhe wegen einer Kapselverletzung im rechten Sprunggelenk verpasste, macht sich Löw keine Sorgen: «Er trainiert nächste Woche wieder.»

Schneiders Ausfall würde die EM-Chancen besonders von David Odonkor und Tim Borowski, die Löw zu den letzten Länderspielen nicht mehr eingeladen hatte, verbessern. «So denkt man nicht. Es tut mir unheimlich leid für Bernd. Ich werde ihn in den nächsten Tagen mal anrufen», erklärte jedoch Borowski. Unabhängig davon aber will der Bremer mit in die Schweiz und nach Österreich: «Ich arbeite hart für mein Ziel. Es läuft seit vier, fünf Spielen gut für mich und heute war ich an zwei Toren beteiligt.»

Auch Odonkor, Überraschungsspieler bei der WM 2006, lauert nach aufsteigender Form bei Betis Sevilla wieder auf seine Chance. Vor ein paar Wochen hätte sich der «Sprinter» selbst noch nicht qualifiziert. «Aber jetzt würde ich an der Stelle von Jogi Löw sagen: 'Der Odonkor muss mit'», meldete sich der Spanien-Legionär in der «BamS». Der Bundestrainer, der am 16. Mai auf der Zugspitze offiziell seine 23 EM-Fahrer präsentieren wird, hält sich weiter bedeckt: «Wir haben noch keinen Spieler von unserer größeren Liste vollkommen weggestrichen.»

Ausfall

Löw schreibt Nationalspieler Bernd Schneider noch nicht für die EM ab.

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Klasnic greift Werder-Ärzte vehement an

27.04.2008, 17:17:20

Bremen (dpa) - Nach der Klage von Ivan Klasnic gegen zwei Vereinsärzte von Werder Bremen kann der Fußball-Bundesligist nicht wie gewünscht zur Tagesordnung übergehen.

Der 28 Jahre alte Profi hat erstmals mit drastischen Worten die Mediziner angegriffen, denen er Fehler bei der Behandlung seiner Nierenkrankheit vorwirft. «Es werden die Leute angeklagt, die Scheiße gebaut haben. Sie werden dafür büßen», sagte Klasnic vor Medienvertretern bei der üblichen Pflege-Behandlung der Bremer Spieler. Er lebt seit März 2007 mit einer Niere seines Vaters.

«Das ist keine Sache, die uns entzweit. Wir haben auch Interesse daran, dass das aufgeklärt wird und keine Dinge zurückbleiben», hatte Geschäftsführer Klaus Allofs noch am Vortag nach dem 3:3 des Tabellenzweiten beim Karlsruher SC erklärt. Doch das Vertrauen zwischen Klasnic und Mannschaftsarzt Götz Dimanski scheint völlig zerstört. «Ich lasse mich nicht mehr von Doktor Dimanski behandeln und untersuchen», bekräftigte Klasnic seinen Entschluss. Lange Zeit habe er geschwiegen. «Aber jetzt reicht es mir. Die Wahrheit muss raus», sagte Klasnic, der bei seiner verbalen Attacke nicht von einem Anwalt begleitet wurde.

Der angegriffene Arzt wehrte sich. «Ich habe mich korrekt verhalten», betonte Dimanski. Er saß während der 65 Minuten, die Klasnic in Karlsruhe spielte, auch auf der Bank, stets bereit, ihm zu helfen. Sollte eine Behandlung auf dem Spielfeld durch den Bremer Teamarzt erforderlich sein, will Klasnic diese nicht ablehnen. «Die Qualen, die ich hatte, muss erstmal jemand erlebt haben», sagte Klasnic. Er will in der ARD-Talksendung «Beckmann» über die Hintergründe seiner Leidensgeschichte sprechen.

Nach einem Bericht der Tageszeitung «Die Welt» hatte Klasnic über seinen Hamburger Anwalt Klage auf Schmerzensgeld vor dem Landgericht Bremen gegen die Mediziner eingereicht. Nach Angaben des Nachrichtenmagazins «Der Spiegel» geht es auch um Schadensersatz. Der Streitwert liege bei 1 427 944,55 Euro. Neben Dimanski, Geschäftsführer und Ärztlicher Leiter der Sporthep Werder GmbH, einer Tochtergesellschaft von Werder Bremen, beschuldigt der Profi auch die Kardiologin Manju Guha, Ärztliche Leiterin in der Rehazentrum Bremen GmbH, die zu 49 Prozent der Sporthep gehört.

Klasnic wirft den Medizinern «leichtfertige Falschbehandlung» vor. Dimanski und Guha sollen bei dem Spieler jahrelang auffallend schlechte Nierenwerte nicht erkannt haben. Die Ergebnisse hätten ihnen sagen müssen, dass die Nieren des Profis sein Blut nicht mehr richtig filterten. Grundlage der 21 Seiten umfassenden Klageschrift sind nach «Spiegel»-Angaben zwei medizinische Gutachten. Eines stamme von Professor Arno Lison, Direktor im Zentrum für Innere Medizin am Bremer Klinikum-Mitte. Das andere habe Professor Ulrich Kunzendorf, Direktor der Klinik für Nieren- und Hochdruckkrankheiten der Uniklinik Schleswig-Holstein, erstellt.

Die Werder-Mediziner wiesen die Vorwürfe im «Spiegel» zurück und sprachen von einem «schicksalhaften» Krankheitsverlauf. Allofs betonte, dass Dimanski weiter das Vertrauen des Clubs habe und als Mannschaftsarzt tätig sei. Der Arzt sagte in Radio Bremen: «Menschlich berührt es mich natürlich sehr. Sachlich gesehen gehe ich ganz gelassen ran. Glücklicherweise ist Ivan Klasnic Profi durch und durch, was ich von mir auch hoffe zu sein, und so gehen wir mit dieser ganzen Sache professionell um.»

Werder-Spieler

Ivan Klasnic spielt nach seiner Nierentransplantation wieder für Werder Bremen.

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«Cooler» Ballack lässt Chelsea Träumen

27.04.2008, 12:06:32

London (dpa) - Mit zwei Treffern gegen Spitzenreiter Manchester United hat Michael Ballack den Traum des FC Chelsea vom Titelgewinn in der Premier League am Leben erhalten.

Englands Presse bewunderte den Kapitän der deutschen Fußball-Nationalmannschaft vor allem wegen seiner Nervenstärke, mit der er vier Minuten vor Spielende einen Handelfmeter zum 2:1-Siegtreffer nutzte. «Personifizierte Coolness», schrieb die «Mail on Sunday», «ein Deutscher und ein Elfmeter, da gibt es keine Zweifel.» Ballack habe das Gipfeltreffen «mit dieser Art von Elfmeter» entschieden, «mit der seine Landsleute über die Jahre schon so viele englische Herzen gebrochen haben», zollte die «Sunday Times» dem überragenden Chelsea-Spieler ihren Respekt.

Mit einem fulminanten Kopfballtor kurz vor der Pause und dem kühl verwandelten Strafstoß sicherte Ballack Chelseas dramatischen Sieg praktisch im Alleingang, nachdem Wayne Rooney zwischenzeitlich der Ausgleich für «ManU» gelungen war (57.). Zwei Spieltage vor Saisonende zogen die «Blues» nach Punkten mit dem Gegner gleich. Die «Red Devils», die mit einem Sieg ihren 17. Meistertitel praktisch hätten perfekt machen können, haben dank einer um 16 Treffer besseren Tordifferenz aber weiter die Nase vorn.

Chelsea widmete den Sieg der im Alter von 58 Jahren verstorbenen Mutter von Ballacks Mittelfeldkollegen Frank Lampard, der wegen des Trauerfalls pausiert hatte. «Der Sieg ist für Frank und seine Familie», sagte Ballack nach dem Spiel bescheiden. «Es ist nicht leicht, zwei Spiele zu gewinnen, wenn man unter Druck steht», meinte Chelsea-Trainer Avram Grant. «Ich hoffe, dass wir auch am Ende der Saison Grund zur Freude haben.» Allerdings muss dazu «ManU» gegen West Ham United und Wigan Athletic mindestens einen Punkt lassen, während Chelsea sich gegen Newcastle United und die Bolton Wanderers keine Blöße geben darf.

Während auch die «News of the World» Ballack in den höchsten Tönen lobte («Die sicherste Wette im Fußball: Ein Elfmeter, ein Deutscher, eine Formalität»), bezeichnete Sir Alex Ferguson den späten Elfmeter gegen seine Mannschaft als «absolut diabolische Entscheidung». Der Manchester-Coach hatte gegen Chelsea nicht seine stärkste Elf aufgeboten. Torjäger Cristiano Ronaldo wurde erst nach einer Stunde für den an der Hüfte lädierten Rooney eingewechselt. Der Portugiese lieferte sich prompt einen nicht geahndeten Ringkampf mit Ballack, in dem sich der Deutsche Respekt verschaffte. Stürmer Carlos Tevez kam nicht zum Einsatz, der in der Champions League zuletzt starke Paul Scholes saß auf der Tribüne. «Ballack bestraft Manchesters Frechheit», titelte deshalb der «Sunday Telegraph».

Das siegreich beendete Gipfeltreffen an der Stamford Bridge, mit dem die «Blues» ihre Heimserie auf 81 Liga-Partien ohne Niederlage ausbauten, gibt Chelsea weiter Auftrieb. Am Mittwoch gegen den FC Liverpool haben Ballack und Co. nach dem 1:1 im Hinspiel alle Chancen, erstmals in der Vereinsgeschichte ins Champions-League- Finale einzuziehen. Damit würde der umstrittene Grant, der nach der 50. Partie auf Chelseas Trainerbank entgegen seiner Gewohnheit beide Fäuste gen Himmel streckte, aus dem Schatten seines charismatischen Vorgängers Jose Mourinho treten. Statt Chelseas «Totengräber», so die «Sunday Times», wäre Grant dann am Ende der «Wunderheiler» der Londoner Millionentruppe.

Matchwinner

Chelseas Michael Ballack erzielte beide Treffer gegen ManU.

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Kartellamt lehnt geplante TV-Vermarktung ab

24.07.2008, 15:22:09

Bonn (dpa) - Die Bundesliga-Bosse sind entsetzt, das Fußball-Volk freut sich. Das Bundeskartellamt hat mit der Ablehnung der geplanten TV-Vermarktung überaus gegensätzliche Reaktionen ausgelöst.

Aus Sorge um Millionen-Verluste bei den TV-Einnahmen übten die Vereine massive Kritik. «Das ist ein Schlag ins Kontor für den deutschen Profifußball. Ich weiß nicht, ob die Herren wissen, wie der Fußball tickt und welche negativen Folgen das haben wird», erklärte Bayern Münchens Vorstandsvorsitzender Karl-Heinz Rummenigge.

Liga-Präsident Reinhard Rauball befürchtet ebenfalls gravierende negative Auswirkungen. «Diese Position ist unverständlich und könnte den deutschen Profi-Fußball um Jahre zurückwerfen», sagte er. Auch die Bundesliga-Trainer hielten mit ihrer Meinung nicht hinterm Berg. «Wenn wir uns mit anderen Verbänden messen wollen, dann müssen wir sehen, dass dort viel mehr Geld durch Fernsehen eingenommen wird. So haben wir klare Nachteile in Deutschland», sagte Felix Magath, Coach des UEFA-Cup-Teilnehmers VfL Wolfsburg.

Dagegen bezeichnete WDR-Intendantin Monika Piel die Entscheidung der Wettbewerbshüter, die weiterhin samstags eine zeitnahe Zusammenfassung im frei empfangbaren Fernsehen (Free TV) haben möchten, als einen «Glückstag für alle Fußballfans». «Wir waren ein fairer Partner, und wir werden ein fairer Partner bleiben», fügte sie an die Adresse der Deutschen Fußball Liga (DFL) hinzu. Auch der Deutsche Journalisten-Verband (DJV) und Politiker wie der SPD-Medienexperte Marc-Jan Eumann («Kinderträume und -idole dürfen nicht verschlüsselt werden») begrüssten das vorläufige Stopp für die neuen Pay TV-Pläne der DFL.

Nach zehnmonatiger Prüfung hatte die Bonner Behörde am 24. Juli das vorgelegte Modell für die Spielzeiten bis 2015 zurückgewiesen, weil es nach ihrer Ansicht den kartellrechtlichen Anforderungen einer angemessenen Verbraucher-Beteiligung nicht genügt. Mit der Entscheidung droht der auf sechs Jahre vereinbarte Vertrag der DFL mit der Kirch-Tochterfirma Sirius zu platzen.

Sirius hatte der DFL und den 36 Profivereinen durchschnittlich 500 Millionen Euro pro Jahr garantiert. «Das ist ein Schlag gegen die Finanzierung der DFL», erklärte Werder Bremens Geschäftsführer und DFL-Aufsichtsrat Manfred Müller. Die weitere Vorgehensweise will der Liga-Vorstand nach intensiven Beratungen mit Juristen bekanntgegeben.

Auch beim Deutschen Fußball-Bund (DFB) sorgte der Beschluss für Kritik. «Durch die Entscheidung des Kartellamtes werden die Vermarktungschancen der Liga für einen angemessenen Preis beeinträchtigt. Dies wird zwangsläufig Auswirkungen auf die Nachwuchsförderung und viele gemeinnützige Aufgabenstellungen haben. Ob wir auf einer solchen Grundlage ähnliche Erfolge wie den Einzug unserer U19-Mannschaft ins Endspiel der Europameisterschaft am Samstag halten können, scheint mir sehr zweifelhaft», sagte DFB- Präsident Theo Zwanziger der Deutschen Presse-Agentur dpa.

Kartellamts-Präsident Bernhard Heitzer empfahl der DFL, Änderungen im dem vorgelegten Vermarktungsmodell vorzunehmen. Entsprechende Korrekturen und eine «Feinjustierung» seien möglich. «Es geht um die Wahrung der Auswahlmöglichkeiten der Verbraucher durch eine hinreichend attraktive Alternative zum Pay TV-Monopol am Samstagnachmittag», betonte Heitzer. Die Zentralvermarktung der Fußball-Bundesliga sei zwar grundsätzlich zulässig, «allerdings nur unter der Voraussetzung, dass die Verbraucher auch künftig angemessen und ausreichend an ihren Vorteilen beteiligt werden.»

Bei der Ablehnung des TV-Vermarktung handelt es sich laut dem Kartellamt um eine «abschließende Einschätzung», nicht um eine formelle Untersagung. «Eine ausreichende Verbraucherbeteiligung sei dann gewährleistet, «wenn die Highlight-Berichterstattung einen wesentlichen Teil des Spieltags umfasst, zeitnah und an einem weiten Bevölkerungskreisen zugänglichen Sendeplatz erfolgt», erläuterte Heitzer die Vorstellungen des Kartellamtes.

Das derzeit praktizierte Verfahren mit sechs Spielberichten samstags in der ARD-Sportschau von 18.30 bis 20.00 Uhr sei danach angemessen. Die DFL wollte für die Zukunft zwei Modelle ausschreiben: das eine mit einer Free-TV-Zusammenfassung mit fünf Samstag-Spielen vor 20.00 Uhr, das andere mit einer Zusammenfassung im frei empfangbaren Fernsehen (Free TV) erst nach 22.00 Uhr. Dadurch sollten Pay TV-Sender ermuntert werden, mehr Geld als bisher für die Rechte zu bieten. Derzeit erlöst die DFL rund 440 Millionen Euro pro Saison.

Zuletzt hatte die DFL-Führung am 22. Juli eine Zusammenfassung des Freitag-Spiels im Free-TV um 22.15 Uhr sowie sonntags Zusammenfassungen über die 2. Liga von 16.00 Uhr angeboten. Doch auch diese Kompromiss-Vorschläge reichten dem Kartellamt nicht, um dem Modell zuzustimmen.

DFL-Boss

DFL-Präsident Reinhard Rauball bei einer Pressekonferenz.

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Lehmann lässt Zukunft in Nationalteam weiter offen

24.07.2008, 15:50:37

Going/Österreich (dpa) - Jens Lehmann hat auch bei seinem Arbeitsbeginn als Torhüter des Fußball-Bundesligisten VfB Stuttgart seine Zukunft in der Nationalmannschaft weiter offen gelassen.

«Ich kann mir vorstellen weiter zu machen, vielleicht höre ich auch auf. Mal sehen», sagte Lehmann im Trainingslager des VfB im österreichischen Going. In seinem mehrwöchigen Urlaub nach der Europameisterschaft habe er sich «eigentlich gar nicht so» mit diesem Thema beschäftigt, meinte der 38-Jährige.

«Ich habe abgeschaltet und keine Zeitungen gelesen. Mir hat dann irgendjemand erzählt, dass Jogi Löw gesagt hat, dass ein Generationenwechsel angedacht ist. Ich denke, ich werde mal mit ihm reden und irgendwann wird dann eine Entscheidung fallen.»

Auf einen Zeitplan wollte sich Lehmann nicht festlegen. Auch ob die Entscheidung noch vor dem nächsten Länderspiel am 20. August in Nürnberg gegen Belgien anstehe, wollte der 61-malige Nationaltorhüter nicht mitteilen. «Das ist ja noch fast ein Monat hin. Mal sehen», sagte Lehmann bei seinem ersten öffentlichen Auftritt nach dem EM-Abschlussfest am 30. Juni in Berlin - am Tag nach dem verlorenen Finale gegen Spanien. Er wolle nun «erst einmal anfangen zu trainieren und sehen, wie die Belastung so ist».

Die Ankündigung eines Generationenwechsels im deutschen Tor von Seiten der sportlichen DFB-Führung ändere für ihn persönlich vorerst nichts. «Ich habe mich noch nie so richtig als Nationaltorwart gefühlt, wenn ich nicht gerade bei der Nationalmannschaft war. Ich stehe ja nicht morgens auf und sage: Ich bin Nationaltorwart.»

Zunächst will sich Lehmann voll auf seinen neuen Verein konzentrieren. «Für mich ist jetzt der VfB Stuttgart wichtig», betonte der Vize-Europameister. «Die Nationalmannschft spielt glaube ich noch drei oder vier Mal in diesem Jahr und ob ich dabei sein werde, werde ich mal sehen.» Eine eigene Entscheidung habe er jedenfalls «noch nicht» getroffen.

Robert Enke von Hannover 96, der bei der EM die Nummer zwei hinter Lehmann war, hatte sich zu Wochenbeginn als ersten Anwärter auf dessen Nachfolge bezeichnet und gemeint: «Ich denke, Jens Lehmann hat seine Entscheidung getroffen und wird sie irgendwann demnächst mitteilen.» Zudem gelten die jungen Torhüter Rene Adler (Bayer Leverkusen), bei der EM die Nummer drei hinter Lehmann und Enke, der derzeit verletzte Manuel Neuer (Schalke 04) sowie Michael Rensing (Bayern München) als mögliche Lehmann-Erben im DFB-Tor.

Keeper

Jens Lehmann trainiert bei seinem neuen Arbeitgeber VfB Stuttgart.

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Klinsmann und Klopp fordern mehr Sachlichkeit

24.07.2008, 13:06:36

Dortmund (dpa - Für Jürgen Klopp und Jürgen Klinsmann war es ein Muster ohne Wert. Am Ende der zum inoffiziellen Supercup hochstilisierten Neuauflage des DFB-Pokalendspiels zwischen Borussia Dortmund und Bayern München forderten beide Fußball-Lehrer Sachlichkeit ein.

«Es würde mich überraschen, wenn die Leute die falschen Schlüsse aus diesem Spiel ziehen», sagte Jürgen Klopp, der mit dem 2:1 (2:0) über die Bayern einen gelungenen Einstand als neuer BVB-Trainer vor heimischer Kulisse feierte. «Wer nach diesem Spiel euphorisch wird, der sollte die Drogen absetzen», ergänzte der ehemalige Mainzer.

Auch Jürgen Klinsmann warnte davor, die Niederlage gleich in seinem ersten Härtetest als Bayern-Coach zu hoch zu bewerten. «Es war ein sehr unterhaltsames Spiel. Aber für abschließende Erkenntnisse ist es noch viel zu früh», sagte er drei Wochen vor dem Bundesliga-Eröffnungsspiel gegen den Hamburger SV am 15. August.

Immerhin boten beide Trainer Bestformation auf. Bei den Münchnern standen sechs von zehn EM-Teilnehmern in der Startelf. «Die Nationalspieler sind aber erst seit sechs Tagen im Training und befinden sich noch im Fitness-Aufbau», erklärte Klinsmann die sichtbare Müdigkeit seiner Profis. Im Training habe er keine Rücksicht auf das Spiel genommen, noch am Morgen ließ Klinsmann intensiv arbeiten. «Aber in drei bis vier Wochen sieht die Leistung schon anders aus», sagte der ehemalige Bundestrainer. In vier Wochen, am zweiten Spieltag, sind die Münchner erneut Gast in Dortmund. Und dann wird es ernst.

Wohl wissend, dass im Dortmunder Umfeld die Ansprüche mit jedem noch so kleinen Erfolg steigen, war BVB-Coach Klopp bemüht, die hohen Erwartungen zu dämpfen. Die gelungene Pokal-Revanche gegen die «phasenweise müden Bayern», so Klopp, sei ein Testspiel gewesen, mehr nicht. «Eine sehr gute Trainingseinheit, in der wir uns stets auf neue Situationen einstellen mussten», meinte Klopp.

Doch dank der Tore von Jakub Blaszczykowski (29. Minute) und Tamas Hajnal (33.) kam Klopp vor 47 100 Zuschauern zu seinem ersten Erfolg überhaupt als Coach über die Bayern. Außerdem wurde am Mittwoch einem BVB-Kapitän erstmals seit der Meisterschale 2002 wieder eine Trophäe überreicht. «In Dortmund müssen wir uns wieder daran gewöhnen, dass man einen Pokal in die Höhe stemmen kann», sagte Spielführer Sebastian Kehl.

Für Klinsmann war es trotz der Niederlage ein gelungener Test. «Im Großen und Ganzen war unser Spiel in Ordnung, die Mannschaft hat sich achtbar aus der Affäre gezogen.» Indes sei es «viel zu früh, schon was über die Leistung zu sagen». Der Neue auf Bayerns Kommandobrücke wollte lediglich «ein paar Schlüsse aus diesem Spiel ziehen». Klopp hielt in seinem Fazit fest, dass seine Mannschaft gut gekämpft habe. «Sie hat das umgesetzt, was wir wollten - und dementsprechend sind wir zufrieden.»

Der offizielle Supercup zwischen deutschem Meister und Pokalsieger war von 1987 bis 1996 fester Bestandteil des DFB-Spielplans. Im einzigen direkten Duell setzte sich Dortmund 1989 4:3 gegen Bayern München durch. Ende der 1990er löste der Ligapokal den Supercup ab.

Zwei Jürgen

Jürgen Klinsmann (l) und Jürgen Klopp betreten gemeinsam das Stadion.

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Olympia-Abstellung: Streit zwischen DFB und FIFA

24.07.2008, 13:59:02

Gelsenkirchen (dpa) - Der Streit um die Olympia-Abstellung von Bundesliga-Spielern stellt die Beziehungen zwischen dem Deutschen Fußball-Bund (DFB) und der FIFA auf eine Belastungsprobe.

Zwei Wochen vor Beginn des olympischen Fußball-Turniers in Peking haben National- und Weltverband weiter grundsätzlich unterschiedliche Ansichten über eine Freigabepflicht für die Profis. «Jetzt müssen die Juristen eine Entscheidung treffen. Das ist sehr schade für den Fußball», sagte DFB-Präsident Theo Zwanziger der Deutschen Presse- Agentur dpa. Der DFB-Chef kann in den FIFA-Statuten keine Grundlage für eine Abstellungspflicht erkennen. «An dieser Position hat sich nichts geändert», sagte Zwanziger.

Der vom DFB in seiner Haltung unterstützte FC Schalke 04 hält auch nach dem Brief von FIFA-Präsident Joseph Blatter an seinem kategorischen Nein zu einem Olympia-Einsatz seines brasilianischen Verteidigers Rafinha fest. «Wir bleiben bei unserer Linie und haben jetzt den Internationalen Sportgerichtshof CAS sowie die FIFA eingeschaltet, um die Sache zu klären», sagte Schalke-Manager Andreas Müller. Auch Zwanziger erwartet mit Spannung den Schiedsspruch des CAS, der auch über den Olympia-Einsatz von Werder Bremens Profi Diego entscheiden wird.

Wie Schalke-Geschäftsführer Peter Peters kritisierte Müller derweil das Vorgehen des Weltverbandes. «Zunächst begründet es die FIFA mit Gewohnheitsrecht, jetzt beruft sich Blatter auf den olympischen Geist. Aber einen konkreten Paragrafen konnte noch niemand zeigen. Das Schreiben begründet jedenfalls kein neues Recht», erklärte Müller auf der Homepage der Schalker.

Längst hat sich der Freigabe-Poker zu einem Duell mit juristischen Spitzfindigkeiten und verbalen Sticheleien entwickelt. «Herr Blatter meint, mit seinem Schreiben festsetzen zu können, dass Spieler unter 23 Jahren für Olympia abgestellt werden müssen. Allerdings entscheidet nur das Exekutivkomitee der FIFA über die Aufnahme von Terminen in den Kalender und nicht Herr Blatter allein. Denn die FIFA ist eine äußerst demokratische Einrichtung», sagte Müller.

Blatter - IOC-Mitglied und Träger des Olympischen Ordens - hatte nach wochenlangem Schweigen in einem Rundbrief an alle Mitgliedsverbände die Position der FIFA dargelegt und alle Vereine zur Abstellung ihrer Spieler unter 23 Jahren verpflichtet. Dem widersprechen neben den Vereinen jedoch die Deutsche Fußball Liga (DFL), die European Club Association (ECA) und auch Zwanziger, der jedoch keine langfristigen Dissonanzen mit der FIFA befürchtet. «Ich habe ein sehr gutes Verhältnis zu Herrn Blatter. Man kann auch mal unterschiedlicher Meinung sein», sagte er.

Die Schalker Töne klingen deutlicher: «Das FIFA-Reglement besagt nämlich ganz klar, dass die Vereine nicht verpflichtet sind, Spieler für Spiele abzustellen, die nicht im offiziellen internationalen Terminkalender der FIFA eingetragen sind», kritisierte Müller. Die Spieler seien zu lange im Unklaren gelassen und so von der FIFA «förmlich in den Vertragsbruch getrieben» worden, so der Schalke-Manager.

Streitfall

Der Schalker Rafinha will in Peking für Brasilien antreten.

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Veh sieht VfB Stuttgart gut gerüstet

24.07.2008, 14:17:47

Going (dpa) - Das tagelang trübe Wetter im Tiroler Trainingslager des VfB Stuttgart konnte der guten Laune von Armin Veh nichts anhaben.

«Ich fühle mich sehr gut mit der Mannschaft und bin zufrieden damit, wie es läuft. Ich bin felsenfest davon überzeugt, dass wir stärker sind als in der letzten Saison», sagte der Coach des Fußball-Bundesligisten im österreichischen Going. Und ergänzte: «Letztes Jahr um diese Zeit hatten wir schon mehrere Langzeitverletzte und deswegen eine etwas chaotische Vorbereitung. In diesem Jahr konnten wir bisher alles durchziehen, was wir uns vorgenommen hatten.»

Dass der Kader nach dem Eintreffen von Nationaltorhüter Jens Lehmann erst am Donnerstag zum ersten Mal vollzählig auf dem Trainingsplatz stand, bereitet Veh kein Kopfzerbrechen. «Da sehe ich keine Probleme, das ist bei anderen Vereinen ja auch so», meinte der 47-Jährige. Zwei Tage vor Lehmann waren seine Nationalelf-Kollegen Mario Gomez und Thomas Hitzlsperger sowie der niederländische Neuzugang Khalid Boulahrouz angereist.

Trotz der EM-Teilnahme des Quartetts und des daher verpassten ersten Trainingslagers in Donaueschingen rechnet Veh damit, dass die Nachzügler bald in der gewünschten körperlichen Verfassung sind. «Dadurch, dass sie nur einen kurzen Urlaub hatten, haben sie gar nicht so viel verpasst.» Ein Einsatz im UI-Cup-Rückspiel am 27. Juli gegen Saturn Ramenskoje (Hinspiel 0:1) komme gleichwohl zu früh.

Für die übrigen Profis hatte der Coach die Belastung in der ersten Vorbereitungsphase zurückhaltender dosiert als 2007. In der ersten Saisonhälfte des Vorjahres plagten den VfB stets Verletzungssorgen. «Unsere Analyse hat gezeigt, dass wir im letzten Jahr vielleicht etwas zu früh in den Schnelligkeitsbereich eingestiegen sind. Dieses Jahr haben wir zunächst noch mehr an der Ausdauer gearbeitet.» Große Hoffnung setzt Veh in die «Neuen» um Lehmann und Boulahrouz. «Letztes Jahr hatten wir kein glückliches Händchen, das ist diesmal anders.» Die nach dem Meistertitel 2007 geholten Raphael Schäfer, Sergiu Radu oder Ewerthon hatten sich nicht als erhoffte Verstärkungen erwiesen.

Obwohl sich die Neuen «natürlich erst beweisen müssen», ist Veh von ihnen überzeugt. «Boulahrouz war mein Wunschspieler, da weiß ich, was kommt. Und bei einem Jens Lehmann weiß man das auch.» Angetan ist Veh nach dem bisher Gezeigten auch von dem von Zweitliga-Absteiger Carl Zeiss Jena geholten Jan Simak, für den wohl Yildiray Bastürk von der zentralen Position hinter den Spitzen nach halblinks rücken muss. «Er ist für mich einer der besten Spieler in Deutschland, auch in der Bundesliga gibt es nicht viele bessere», schwärmte Veh von Simak. «Wenn er umsetzt, was er kann, ist er bei uns die Nummer 10.»

Das Gerüst steht. «Es wird voraussichtlich keiner mehr dazukommen. Und von den Leuten, die jetzt hier sind, werden wir keinen mehr abgeben.» Das gelte auch für den vertraglich bis 2012 gebundenen Mario Gomez, von dem weiter ein klares Bekenntnis zum VfB aussteht. Veh: «Es gibt seit Monaten eine klare Ansage der sportlichen Leitung, und die lautet, dass er hierbleibt. Ende der Veranstaltung.»

Übungsleiter

VfB-Coach Armin Veh (r) und Neuzugang Khalid Boulahrouz beim Training.

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Vizepräsident Bach sieht Veränderungsbedarf im IOC

24.07.2008, 19:01:38

Frankfurt/Main (dpa) - Angesichts der Menschenrechtsdebatte im Zuge der Olympischen Spiele in Peking sieht Vizepräsident Thomas Bach Veränderungsbedarf im Internationalen Olympischen Komitee (IOC).

«Diese Debatte zeigt mir, dass wir verstärkt die politische und soziale Rolle des Sports klarstellen und kommunizieren müssen», sagte Bach in einem Interview mit dem Berliner «Tagesspiegel» und der «Stuttgarter Zeitung».

Die neue Strategie müsse auch den Fackellauf einschließen. «Ich möchte sichtbarer machen, dass das Feuer kein Symbol des Gastgeberlandes ist. Darstellung und Route des Fackellaufs müssen grundsätzlich überdacht werden. Es braucht eine bessere Balance zwischen dem IOC und dem Gastgeber», erklärte Bach, Präsident des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB).

Bach wehrte sich dagegen, das IOC würde sich nicht ausreichend und vernehmbar für die Menschenrechte in China einsetzen. «Mit öffentlicher Konfrontation erreicht man nichts. Wir heischen nicht nach Beifall, sondern arbeiten erfolgsorientiert. So wie die Bundesregierung ihren Rechtsstaatsdialog mit China führt, so führen auch wir Gespräche, erinnern an Verabredungen, werben für unsere Werte», sagte der IOC-Vizepräsident.

Er kritisierte zugleich Politiker, die die Aufmerksamkeit für die Olympischen Spiele für sich missbrauchten. «In geradezu heldenhaftem Tun haben einzelne Politiker angekündigt, die Eröffnungsfeier zu boykottieren. Dabei waren sie nicht einmal eingeladen», erklärte Bach.

Der DOSB-Präsident bekräftigte, dass die 440 deutschen Olympia-Teilnehmer sich nicht an möglichen Protestaktionen in China beteiligen werden. «Ich habe von keinem gehört, dass er die Regeln brechen wird», sagte Bach. Er wies den Vorwurf zurück, dass die deutschen Athleten nicht wüssten, welche Protestformen bei Olympia erlaubt seien: «Es gibt keine Unsicherheiten und Spekulationen.»

Vizepräsident

Thomas Bach will sich für Veränderungen im IOC einsetzen.

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